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Sicherheit ist oberste Devise

Unternehmen bevorzugen im Geschäft mit ausländischen Kunden den Euro. Doch die eigene Währung lässt sich nicht immer durchsetzen und erweist sich auch nicht generell als Ideallösung. Wie Mittelständler ihr Währungsmanagement optimieren.

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Die IAV GmbH in Berlin nutzt die Liquidität ihrer Tochtergesellschaft in Shanghai zur Konzernfinanzierung. Das Unternehmen mit mehr als 7.000 Mitarbeitern und über 900 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr ist einer der weltweit führenden Engineering-Dienstleister der Automobilindustrie. „Wir haben vor mehreren Jahren ein Intercompany-Finanzierungsmodell entwickelt“, erklärt Lars Wagner, Senior-Fachreferent im Bereich Group Treasury. Das Besondere daran: Das Tochterunternehmen gibt der Konzernmutter Darlehen in der chinesischen Landeswährung, in Renminbi. „Das hat den Vorteil, dass wir mit unseren Gewinnen, die wir im Geschäft mit chinesischen Firmen erzielt haben, in Deutschland arbeiten können – ohne die steuerlichen Nachteile einer Ausschüttung in Kauf zu nehmen“, erläutert Wagner. Die Kredite zahlt die Mutter zu einem fest vereinbarten Termin in Renminbi wieder zurück. „Wir sichern diese Transaktionen mit Währungsswaps ab. Damit tragen wir selbst kein Risiko. Dies hat sich bewährt“, sagt Wagner.

Das Unternehmen arbeitet bereits seit vielen Jahren im Reich der Mitte. „Wir sind im Markt sehr erfahren und wissen entsprechend mit den Währungsvolatilitäten umzugehen“, sagt der Treasury-Manager. Dabei trägt prinzipiell die deutsche IAV GmbH das Währungsrisiko, so die Richtlinie. „Jede Transaktion abzusichern, wäre zu teuer“, sagt Wagner. Zum Hintergrund: Viele Aufträge wickelt das Engineering-Unternehmen klassisch als Projektgeschäft ab. Man weiß nicht passgenau, wann eine Forderung eingeht. „Aber wir können mit dem Risiko leben, weil wir mit den meisten ausländischen Kunden in der eigenen Währung, also in Euro, fakturieren. Das lässt sich häufig so aushandeln“, so Wagner.

Der Euro wird bevorzugt
Das deckt sich mit Daten des Statistischen Bundesamts. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen wickeln ihr Exportgeschäft mit Drittländern in Euro ab – wenn auch der Anteil tendenziell sinkt. So waren es 2016 bereits weniger als 60 Prozent, während 2012 die Quote noch bei fast 65 Prozent lag. Der Dollar dient bei weniger als 30 Prozent der Geschäftsbeziehungen als Währung. Die Vereinigten Staaten waren im vergangenen Jahr aber der größte Importeur von deutschen Waren und Dienstleistungen. „Entsprechend verunsichert zeigen sich Unternehmen momentan mit Blick auf den schwelenden Handelskonflikt“, erklärt Barbara Herbert, Renminbi-Expertin der Commerzbank.

Denn der größte Handelspartner für Deutschland ist China – schon seit drei Jahren. Das Volumen betrug 2018 rund 200 Milliarden Euro. „Trotz Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsaktivität, deutlicher Währungsschwankungen sowie verschärfter Kapitalabflussrestriktionen stieg die Akzeptanz des Renminbi bei Firmenkunden noch einmal deutlich an“, erklärte die Commerzbank erst im Sommer vergangenen Jahres in einer Studie. Die Ökonomen fanden heraus, dass ein knappes Drittel der Unternehmen die Fakturierung ihres Chinageschäfts auf die Landeswährung umgestellt hat. Weitere fünf Prozent bereiteten sich darauf vor. Gerade mittelständische Unternehmen stehen unter Druck, mitzuziehen. „Die Dax-Konzerne haben eine Lanze für den Offshore-Renminbi gebrochen und den Markt geöffnet“, sagt Barbara Herbert. Der sogenannte CNH wird außerhalb von China gehandelt und ist frei konvertier- und lieferbar. Die im Land selbst verwendete Währung CNY wird von der chinesischen Zentralbank gesteuert, sie unterliegt Restriktionen und kann nicht beliebig ausgeführt werden.  

Trump, Twitter und der Dollarkurs
„Viele Geschäfte mit den Chinesen werden auch in US-Dollar abgewickelt. Wir haben beispielsweise zum Jahresende 2018 eine Tendenz zu Hamsterkäufen gesehen. Deutsche Firmen deckten ihren Bedarf ab, um einer absehbaren Verteuerung entgegenzuwirken“, erklärt Ludolf Ebner-Chung, Co-Gründer und CEO von Forexfix, einem Anbieter für Online-Währungssicherungen im Mittelstand. Nach seiner Einschätzung sind viele mittlere und kleine exportierende Unternehmen stark von hohen Wechselkursrisiken betroffen. „Unter Donald Trump hat die Volatilität nicht unbedingt zugenommen. Sie ist aber schneller und direkter geworden, da er über Twitter direkt mit den Währungsmärkten kommuniziert. Wenn er also seinen Unmut über China vom Stapel lässt, hören dies entsprechend mehr Leute und zudem viel früher als in der Vergangenheit“, sagt Ebner-Chung. Amerika scheine immer so fern, aber die Tweets des US-amerikanischen Präsidenten könnten einen direkten Einfluss auf den deutschen Mittelstand haben.

Schwankungen an den Devisenmärkten schlagen bis in die Bilanzen und die Kalkulationen der Unternehmen durch. Viele Mittelständler haben dies zu spüren bekommen. „In den Jahren 2015 und 2016 blieb der Dollar über eine längere Phase relativ stabil. Das veranlasste Unternehmen dazu, bei Exportgeschäften auf Absicherungsinstrumente zu verzichten“, erklärt Jürgen Wechsler, Unternehmensberater in Nürnberg und spezialisiert auf Absicherungsstrategien gegen Währungsrisiken im Mittelstand. Inzwischen werde tendenziell wieder mehr abgesichert, „um Planungssicherheit zu haben“, sagt Commerzbank-Expertin Herbert.

Absicherung: Die Mischung macht’s
Das funktioniert klassisch via Devisentermingeschäften, die einen festen Umtauschkurs zu einem bestimmten Stichtag in der Zukunft garantieren. Die Laufzeit kann bis zu fünf Jahre betragen. Die Kosten hängen von der Zinsdifferenz zwischen der Fremdwährung und dem Euro ab. Devisengeschäfte können alternativ als Optionsgeschäft laufen. Der Unternehmer sichert sich ein Wahlrecht, ob und wann er seine Währung umtauscht. Er hält sich die Chance offen, an einer besseren als der erwarteten Entwicklung der anderen Währung zu partizipieren. „Das kostet aber eine relativ hohe Prämie. Eine ausgewogene Mischung aus Devisentermin- und Devisenoptionsgeschäften kann hier jedoch ein interessantes Risikobegrenzungs- und gleichzeitig Chancenerhaltungsprofil ergeben“, sagt Wechsler. Bei Währungsswaps tauschen zwei Vertragspartner Zins- und andere Verpflichtungen in fremden Währungen gegen ihre eigene. Damit sind die Absicherungsinstrumente weitgehend erschöpft.

„Je länger das Zahlungsziel, desto wichtiger wird die Absicherung. Auch bei langen Zahlungsfristen gibt es Möglichkeiten“, sagt Holger Frank, Leiter des International Center der Hypo-Vereinsbank. Größere Mittelständler managen das Währungsrisiko in der Regel professionell mit Hedging Policies. Sie analysieren ihre Risiken und entwickeln oft gemeinsam mit Banken Richtlinien, welche Geschäfte sie mit welchen Instrumenten absichern wollen und wer in der Firma dafür zuständig ist. „Angesichts der steigenden Schwankungsbreite vieler Währungskurse – auch wegen der Unsicherheiten mit Blick auf China und die Vereinigten Staaten – sind die Unternehmen sensibilisiert. Wir sehen uns auf Kundenwunsch jedes Geschäft an, um individuelle Konzepte und Lösungen zu entwickeln“, sagt Frank. Er rät dazu, sich frühzeitig mit einer möglichen Absicherung zu beschäftigen. „Das sollte passieren, bevor das Angebot erstellt wird und nicht erst, wenn der Vertrag schon unterschrieben ist“, warnt der Experte. Gerade bei Geschäften mit niedrigen Gewinnmargen können die Währungsrisiken sonst den Ertrag schlucken. „Das sollte einkalkuliert sein.“

Die IAV GmbH in Berlin umgeht das. Sie offeriert Kunden im Ausland häufiger gleich zwei Angebote – mit Abschluss in der ausländischen Währung sowie alternativ in Euro. Die Geschäftspartner haben die Wahl, was für sie günstiger ist. „Preise können abhängig von der jeweiligen Währung um bis zu 20 Prozent variieren. Deutschland ist ein Schlaraffenland für Währungssicherungen. Sie sind gut und günstig im Vergleich zu anderen Staaten zu bekommen“, erläutert Unternehmensberater Jürgen Wechsler. Ein Wettbewerbsvorteil, den deutsche Firmen für sich nutzen sollten.

Quelle: Creditreform



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