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Messen im Netz

Das neue Coronavirus macht Messen und Ausstellern seit zwei Monaten einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch damit müssen wichtige Produktpräsentationen und Kundenkontakte nicht komplett ausfallen. Eine ergänzende Lösung können virtuelle Messen sein.

©vegefox.com - Adobe Stock

Mit jährlich rund 6.000 Ausstellern und 200.000 Besuchern ist die Hannover Messe eine der weltweit größten und wichtigsten Messen für Automatisierung und Energietechnik. Wie in den Jahren zuvor wollte der Sensor- und Automatisierungsspezialist Balluff aus Neuhausen auf den Fildern seine Produktneuheiten und Lösungsansätze für das Industrial Internet of Things (IIoT) dort vorstellen. Dann kam Corona – und die Hannover Messe wurde erst einmal verschoben. So einfach wollte sich Florian Hermle, Geschäftsführer von Balluff aber nicht damit abfinden: „Für uns steht unser Kunde im Vordergrund. Wir möchten nicht darauf verzichten, unsere Kunden über neue Produkte und Lösungen zu informieren“, sagt er.
 
Mit einer virtuellen Messe machte er aus der Not eine Tugend und präsentierte Ende April über die Online-Eventplattform des Anbieters 6connex seine aktuellen Produkt-Highlights. Weitere Experten des Unternehmens stellten angemeldeten Nutzern Keynotes und Anwender-Sessions vor und vertieften Themen des Industrial Internet of Things. „Wir positionieren uns damit als zukunftsorientiertes Unternehmen, das die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzt, um für seine Kunden Mehrwerte zu schaffen“, sagt Hermle. Ein Auswahlkriterium für die Plattform war für ihn vor allem die Möglichkeit, diese selbst zu administrieren. „Bei 6connex haben wir vollen Zugriff auf das Backend und können die Plattform selbst anpassen“, sagt er. Besonders wichtig waren ihm auch die Verfügbarkeit und die Möglichkeit, Livestreaming-Angebote einzubeziehen, damit sich Experten und Kunden direkt auf der Online-Plattform austauschen können. Aber auch Videochats von Drittanbietern lassen sich in diese Lösung einbinden.

20-mal höhere Nachfrage durch Corona

Virtuelle Messen wie diese über 6connex liegen derzeit im Trend. Der Anbieter Meetyoo stellt seit Beginn der Corona-Krise eine 20 Mal höhere Nachfrage nach seiner Plattform Ubivents fest. Dabei bieten virtuelle Messen auch außerhalb von Krisenzeiten eine ganze Reihe von Vorteilen: Dank moderner Videotelefonie, Chatfunktion und Livestream-Möglichkeiten bringen sie im Handumdrehen Menschen von überall auf der Welt zusammen. Dafür benötigen die Veranstalter lediglich einen Rechner mit Internetanschluss, die entsprechende Software und Organisation. Die Besucher müssen für die virtuelle Messe nicht anreisen, ein Mausklick auf einen Einladungslink, den der Veranstalter ihnen zuschickt, genügt.

Viele Unternehmen nutzen virtuelle Messen daher auch aus ganz pragmatischen Gründen, etwa um ihre Veranstaltungs- und Reisekosten zu senken, flexibler bestimmte Zielgruppen anzusprechen, die Reichweite zu erhöhen oder in Zeiten des Klimawandels die Umwelt weniger durch CO2 zu belasten.
Die Funktionsweise und der Ablauf von Online-Messen sind recht einfach: Typischerweise werden die Teilnehmer nach dem Klick auf den Einladungslink mit einem Willkommensvideo begrüßt, in dem sie die wichtigsten Informationen erhalten. In der virtuellen Eingangshalle befindet sich in der Regel ein zentraler Informationsstand, an dem die Messebesucher persönliche Hilfestellung erhalten. Von dort navigieren sie in die anderen Bereiche, etwa ins Auditorium, um die Vorträge zu verfolgen, oder in einen Bereich mit virtuellen Messeständen und Produktneuheiten der Aussteller. In einer Lounge können sich die Teilnehmer zudem untereinander austauschen und netzwerken. Zahlreiche Social-Networking-Tools wie Facebook, LinkedIn, Twitter oder Xing sind beispielsweise bereits auf der Ubivent-Plattform integriert. Der Größe sind kaum Grenzen gesetzt: Eine Online-Messe kann auch aus mehreren Messehallen bestehen, durch die das Publikum per Maus navigiert.

Vor allem Job- und Ausbildungsmessen nutzen die Online-Variante, um mehr Reichweite zu erhalten und nicht nur Absolventen anzusprechen, sondern auch Berufstätige, die sie auf physischen Recruiting-Veranstaltungen oft nicht erreichen. An virtuellen Recruiting- und Karrieremessen nehmen entweder mehrere Unternehmen gemeinsam teil, die sich einer Vielzahl von potenziellen Bewerbern präsentieren. Oder ein Unternehmen stellt sich als Arbeitgeber auf einer eigenen, exklusiven Veranstaltung vor.

Mehr Reichweite im Recruiting

Bereits seit Jahren setzt das Hamburger Premium-Recruiting-Portal JobLeads auf diese Instrumente, um qualifizierte Fach- und Führungskräfte aus der IT-Branche zu erreichen. Und zwar auch die, die bereits anderswo unter Vertrag stehen und daher die Teilnahme an traditionellen Karrieremessen scheuen. Die Veranstaltung im Netz bietet ihnen einen vertraulichen Weg zur Kontaktaufnahme.

Die virtuelle IT-Jobmesse besteht aus den virtuellen Messeständen der Aussteller, Videovorträgen mit Themenchats im Auditorium und einer Lounge zum Netzwerken. An den virtuellen Messeständen können sich Unternehmen mit einem kurzen Video und weiteren Dokumenten präsentieren. Im Live-Chat haben die Besucher die Möglichkeit, mit Personalern des Ausstellers zu chatten und vertrauliche Fragen zu stellen. Diese nehmen vom eigenen Rechner aus teil und werden sofort über eingehende Chat-Anfragen informiert. Sind alle Fragen geklärt, können sich Teilnehmer über die Plattform direkt auf die Stellenangebote bewerben. Parallel finden in einem virtuellen Auditorium Videovorträge und Gruppenchats statt. Ein geschäftiges Treiben also auch im Cyberspace.

Die virtuelle IT-Jobmesse von JobLeads hat sich mittlerweile als größte Online-Karrieremesse für IT-Fachkräfte im deutschsprachigen Raum etabliert und bringt regelmäßig zahlreiche namhafte Aussteller zusammen. Einer davon ist die BTC Business Technology Consulting AG. „Durch unsere virtuellen Messeauftritte konnten wir uns als innovativer Arbeitgeber präsentieren und so sehr gute Kontakte zu qualifizierten Kandidaten aufbauen“, sagt Sandra Fuß, bei BTC verantwortlich für das Recruiting.

Workaround mit Konferenztools

Neben Event-Plattformen wie 6connex, Ubivent oder Expo-IP bieten auch Konferenztools wie GoToMeeting, GoToWebinar oder Skype die Möglichkeit, eine abgespeckte virtuelle Messe zu veranstalten. Diese Lösung nutzte beispielsweise die Unitechnik Systems GmbH im nordrhein-westfälischen Wiehl. Nach der Absage der Intralogistikmesse Logimat 2020, die Mitte März in Stuttgart hätte stattfinden sollen, stellte das auf Industrie-Automatisierung spezialisierte Unternehmen seine virtuelle Messe mit der Teamarbeit-Software Microsoft Teams auf die Beine. Michael Huhn, Vertriebsleiter und Prokurist bei Unitechnik Systems, erklärt die Funktionsweise: „Wir vereinbarten einen Besprechungstermin mit dem Messebesucher. Diesen haben wir als Microsoft-Teams-Besprechung in unserem Outlook angelegt. Der Besucher erhielt den Termin per E-Mail. In der E-Mail befand sich ein Link, über den er direkt an der Teams-Besprechung teilnehmen konnte.“ Die Vorteile: Statt ein oder zwei Tage alle Interessengebiete wie beim klassischen Messebesuch abdecken zu müssen, konnten der Messebesucher diesmal gezielt seine Fragen mit einem Experten vom sicheren Homeoffice aus besprechen.
 
Klar bleibt aber auch: Vollständig werden virtuelle Messen den persönlichen Kontakt und das reale Produkterlebnis nie ersetzen können – und das sollen sie auch gar nicht. Doch die Vorteile eines virtuellen Messerundgangs liegen klar auf der Hand und werden zunehmend genutzt, auch parallel zu Live-Veranstaltungen. Die von der Deutschen Telekom jährlich organisierte Digitalisierungsmesse Digital X etwa nutzte im vorigen Jahr bereits eine Kombination aus beiden Formaten. In Zeiten von Corona sind virtuelle Messen aber nicht nur eine einfache Erweiterung der traditionellen Veranstaltungen, sondern für Balluff, Unitechnik Systems und zahlreiche andere Unternehmen eine hilfreiche Ersatzlösung.

Quelle: Creditreform.de


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