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Grünes Geld

Der Green Deal der EU und der Klimapakt der Bundesregierung bauen nicht nur Druck auf Unternehmen auf, klimaneutral zu produzieren und zu handeln. Sie unterstützen auch mit zahlreichen Förderprogrammen, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Und weitere folgen.

©malp - Adobe Stock
Bis ein kühles Bier frisch gezapft auf dem Tresen steht, braucht es viel Energie. So viel wie bei der Herstellung kaum eines anderen Lebensmittels. Brauereien sind deshalb schon seit vielen Jahren bemüht, ihren Energieverbrauch zu senken und auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Die Brauerei Zötler mit Sitz in Rettenberg im Allgäu etwa erzeugt rund 40 Prozent der jährlich benötigten Strommenge selbst, seit das Unternehmen ein modernes Blockheizkraftwerk mit 50 Kilowatt Leistung installiert hat. „Außerdem arbeiten wir mit einer Absorptionskälteanlage. Damit wird im Produktionsprozess durch die Gasturbine entstehende Abwärme in Kälte umgewandelt, die wir für die Kühlung unserer Biere im Reifekeller einsetzen“, erklärt Geschäftsführer Niklas Zötler.


Somit wird die Kälteanlage entlastet und der Strombedarf sinkt. Für das Unternehmen war es sehr schwierig, einen Hersteller dafür zu finden. „Die Kombination aus einem Blockheizkraftwerk mit nicht mehr als 50 kW einerseits und einer Anlage, mit der Minustemperaturen erzeugt werden, gab es so nicht auf dem Markt“, erklärt Zötler. Deshalb war der Aufwand für die Optimierung hoch. Das Investitionsvolumen lag bei etwa 360.000 Euro – unter anderem gefördert durch die KfW in Höhe von rund zwölf Prozent der Kosten mit dem Energieeffizienzprogramm 292 für Produktionsanlagen und -prozesse.

Mit weiteren Zuschüssen der KfW finanzierte die Brauerei zwei aktuelle Investitionen in einen Tunnelpasteur sowie in den Ausbau ihrer Kälteanlage in einem neu gebauten Reifekeller. Der Tunnelpasteur kann in einem Durchgang erhitzen, um Bakterien und Keime in alkoholfreien Getränken wie etwa Limonaden abzutöten, und anschließend wieder abkühlen. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf etwa 4,5 Millionen Euro. Den Betrag stemmte die Brauerei aus eigenen Mitteln, mit regionalen Banken sowie neben den KfW-Zuschüssen mit einem Investitionskredit der LfA Förderbank Bayern.

„Wir leben und arbeiten hier in einer der schönsten Gegenden in Deutschland. Wir sind in der 21. Generation unseres Familienunternehmens mit dieser Region verbunden und wollen die Natur erhalten“, sagt Niklas Zötler. Dass der 35-Jährige sich dem Klima- und dem Umweltschutz sowie einer nachhaltigen Produktion verpflichtet fühlt, ist kein Lippenbekenntnis.

Im vergangenen Jahr erhielten die Allgäuer das EMAS-Zertifikat. Die Abkürzung für Eco Management and Audit Scheme gilt unter Experten als Königsdisziplin in Sachen Umweltmanagement. Die Unternehmen bekennen sich zum stetigen Verbesserungsprozess bis zur CO2-Neutralität und prinzipiell zu nachhaltigem Engagement.

Damit ist Zötler anderen Mittelständlern einen großen Schritt voraus. Mit dem Green Deal der Europäischen Union und dem Klimapakt der Bundesregierung stehen Ressourceneffizienz und verantwortliches Handeln für jedes Unternehmen auf dem Plan. Die EU hat einen Aktionsplan aufgestellt, um bis 2050 klimaneutral zu sein. Alle Wirtschaftssektoren müssen einen aktiven Beitrag leisten.

Hinzu kommt der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Mai dieses Jahres. Der Klimaschutz dürfe nicht auf die nächsten Generationen verschoben werden. Entsprechend werden die Ziele „substanziell angehoben“, wie es das Bundesumweltministerium umschreibt. Klimaneutralität sei bis 2045 zu erreichen. Den Transformationsprozess sollen ein Mix aus Anreizen, Regeln und Förderungen aus dem Bundeshaushalt unterstützen. Rund 100 Milliarden Euro hat Deutschland für Umwelt- und Klimaschutz reserviert. Auch die EU will niemanden alleinlassen.

Mangelnder Klimaschutz kann teuer werden

„Unternehmen müssen mit erhöhten Abgaben und Steuern kalkulieren, wenn sie sich nicht aktiv am Klimaschutz und nachhaltigen Wirtschaften beteiligen. Da baut sich Druck auf“, sagt Matthias Voigtmann, Energie- und Umweltauditor sowie zertifizierter Fördermittelberater der Unternehmensberatungsgesellschaft Qualitas Orbis. Er rät dazu, spätestens jetzt aktiv zu werden. „Noch sind die Energiekosten im Vergleich etwa zu den Aufwendungen für das Personal ein kleiner Posten. Der Klimaschutz wird mit einer zu erwartenden höheren CO2-Abgabenbelastung aber durchaus relevant.“

Die Unternehmen sind gefordert, ganzheitlich zu agieren und ihre Prozesse zu optimieren. „Sie sollten die Herausforderung aber auch als Chance sehen. Unternehmen brauchen verlässliche Vorgaben, die nun mit dem Europäischen Klimagesetz festgelegt wurden“, sagt Gernot-Rüdiger Engel, Partner der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Hamburg und Mitglied des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Nur klimaneutrale Betriebe werden aus seiner Sicht langfristig überleben. „Die EU sowie Bund und Länder unterstützen bei diesem Transformationsprozess mit diversen Förderprogrammen, sodass jedes Unternehmen profitieren kann – auch kleine und mittlere Betriebe“, sagt Engel. Ohnehin amortisieren sich Effizienzprojekte häufig innerhalb kurzer Zeit allein durch Kosteneinsparungen. „Eine Förderung potenziert diesen Effekt“, sagt Michael Wandt, Direktor Fördermittelmanagement der Wabeco Fördermittelberatung in Gießen und Vorsitzender des BDU-Fachverbands Finanzierung.

Doch es geht nicht nur darum, die Effizienz zu steigern. Auch die Chancen für Entwickler umweltfreundlicher Technologien sind besser denn je. Die Unternehmensberatung Capgemini Invent hat in der Studie „Fit for Net-Zero“ 55 Geschäftsfelder identifiziert, die von der Milliardenförderung durch Bund, Länder und EU profitieren.

Demnach könnten bereits bestehende und zukünftige grüne Technologien in den Wirtschaftsbereichen Energie, Gebäude und Bauwesen, Industrie, Transport sowie Nahrungsmittel und Landwirtschaft nicht nur zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, sondern auch 12,7 Millionen Arbeitsplätze schaffen und eine Bruttowertschöpfung von fast 800 Milliarden Euro generieren. Bestandteil dieser Rechnung ist auch die Annahme, dass Fördermittel die Nachfrage ankurbeln und Markteintrittsbarrieren für neue Technologien sinken.
 
Fördermittel: Tausende Programme machen Beratung notwendig

Vergünstigte Kredite, Zuschüsse oder Beteiligungen: Die Förderlandschaft umfasst rund 4.000 bis 5.000 Programme von Bund und Ländern, „die sich teilweise ganz wesentlich unterscheiden“, so Wandt. Vor allem ändern sich die Programme. „In den vergangenen Jahren wurden Energieeffizienz-Investitionen in gewerblich genutzte Immobilien kaum gefördert. Zum Juli dieses Jahres legte die KfW neu und mit deutlich verbesserten Konditionen auf“, sagt Wandt.

Aber die effektivste Lösung für den Betrieb entscheide, nicht die Förderung. Das Geld folge der Investition. „Unternehmer sollten daher immer zuerst klären, was sie brauchen und wer ihnen die Technik zur Prozessoptimierung bieten kann. Auf dieser Grundlage wird dann eine Förderung gesucht“, sagt der Experte.

Und die gibt es immer. Zötler etwa schaltete deshalb gleich zu Beginn seiner Planungen externe Berater ein. In Kooperation mit dem Experten Voigtmann erfolgte zuerst eine Analyse, dann wurden eine Strategie entwickelt und ein Restrukturierungsplan konzipiert. Auf dieser Basis wurde die Finanzierungsfrage gelöst.

„Fördermittelrecherche gehört nicht zu unserem Kerngeschäft. Der Aufwand, hier zum besten Ergebnis zu kommen, wäre für uns sehr hoch“, sagt der Unternehmer. Ein solches Vorgehen ist auch deshalb sinnvoll, weil auch die Beratung an sich gefördert wird. Zum Beispiel mit dem Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“, aus welchem kleine und mittlere Unternehmen sich einen Zuschuss von bis 3.200 Euro vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sichern können.
 
Ressourceneffizienzberatung hilft Unternehmen

Eine Energieeffizienzberatung des Landes NRW nutzte die Horst Otten GmbH in Lippstadt. Die Firma fertigt Matratzen, Polster- und Boxspringbetten sowie Lattenroste. Mit etwa 50 Prozent war der Materialverbrauch der größte Kostenblock. Ein Grund, warum die Firma sich hier verbessern wollte und eine Ressourceneffizienzberatung in Anspruch nahm. So konnten relevante Potenziale zu mehr Material-, Prozess- und Energieeffizienz analysiert und ermittelt werden.

„Am Ende stand eine komplette Neuorganisation aller Lagerbereiche und des Produktionslayouts, die zu einer signifikanten Verbesserung der Materialwirtschaft und zu einem optimierten Ablauf in der Produktion führte“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Happe. Insgesamt erzielte das Unternehmen eine Reduktion der CO2-Emissionen um weit mehr als 60 Tonnen pro Jahr.

„Wir haben etwa 400.000 Euro investiert und sparen pro Jahr mehr als 200.000 Euro Kosten ein“, sagt Happe. Die Beratung habe sich schon deshalb gelohnt, weil „wir so erfahren haben, was man machen kann. Das hat uns Rückenwind und ein positives Feedback für unser Projekt gegeben“. Auf eine Förderung etwa der KfW für das Projekt hat das Unternehmen verzichtet, weil es die Finanzierung bei ungefähr gleichen Konditionen lieber mit der Hausbank abwickelte.

Der Matratzenhersteller liefert ein Beispiel dafür, wie schnell sich Effizienzmaßnahmen amortisieren können und welche Effekte sich erzielen lassen. Experte Wandt rechnet damit, dass sich die Zahl und die Möglichkeiten der Förderungen mit dem Klimapakt verbessern werden. Darauf warten sollten Unternehmer nicht, „aber die Augen aufhalten, was sich tut“, so der Unternehmensberater.


Quelle: Creditreform.de


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