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Bereit für den Neuanfang

In der Pandemie hatten Unternehmen keine Zeit für Tests und Probeläufe.
Sie mussten die Krise managen und sich gleichzeitig schnell verändern. Mit der Rückkehr zur Normalität stellt sich die Frage: Was haben sie gelernt und wie stellen sie sich für die Zukunft auf?

©peshkov - Adobe Stock
Angesichts der Folgen der Corona-Pandemie brauche es eine mutige Antwort, verkündete Angela Merkel vor einem Jahr in der Bundespressekonferenz. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sprach sogar davon, „mit Wumms“ wieder aus der Krise herauszukommen, als er am 3. Juni 2020 an Merkels Seite die Eckpunkte des Konjunktur- und Zukunftspakets vorstellte: Mehrwertsteuer runter, Entlastung bei den Stromkosten, 50 Milliarden Euro Forschungsförderung für Zukunftstechnologien und vieles mehr. Wie sehr die Pandemie und ihre Folgen das Land, das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft für das gesamte folgende Jahr noch im Griff haben würde, ahnten sie dabei wohl nicht.

Wie auch? Denn wenn die Corona-Krise Entscheider etwas gelehrt hat, dann, dass sich kaum etwas noch verlässlich planen lässt. Auch die Chefvolkswirte deutscher Geschäftsbanken und Bankenverbände, die das Creditreform-Magazin für die jährliche Bankenumfrage zum Jahresauftakt um ihre Einschätzung gebeten hatte, äußerten sich im Januar mit der Aussicht auf Impfungen optimistischer, als sie es heute tun würden. Und die Unternehmer selbst? Sie haben alle Hände voll zu tun mit der akuten Bewältigung der Krise. Doch sie sollten sich rechtzeitig auf die Zeit danach vorbereiten, mahnen Experten. Die Steuerberatungsgruppe ETL etwa hat gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Anfang Mai den „Mittelstandskompass“ veröffentlicht, eine Studie zur Zukunft nach Corona. Basierend auf Daten aus Befragungen von mehr als 2.500 Unternehmen in den Jahren 2019 und 2020 bis zum 1. Quartal 2021, skizzieren die Autoren, dass schon bald altbekannte Herausforderungen wieder wichtiger werden: „Wenn die Corona-Pandemie überwunden ist, werden kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland die Themen Fachkräftemangel, Digitalisierung und Klimaschutz meistern müssen“, sagt ETL-Vorstand Marc Müller.
 

Die Liste ist lang. Wer in den vergangenen Monaten den ein oder anderen Punkt abgearbeitet hat, könnte mit einem Vorsprung aus den Startlöchern kommen. So wie Marcel Schettler. Sein Unternehmen Guest-One entwickelt Software für die Veranstaltungsbranche – und musste im vergangenen Jahr schnell umschwenken. Weil Messen, Konferenzen und Co. ausfielen, entwickelte Schettler mit seinem Team eine Software für rechtssichere Wahlen bei virtuellen Events. Mit Erfolg. Guest-One konnte einen Teil des verlorenen Umsatzes kompensieren und wichtiger noch: Das Unternehmen konnte bis heute alle 21 Mitarbeiter halten. Natürlich auch dank Kurzarbeit und weiterer Krisenhilfen, räumt Schettler ein, aber eben auch durch die erfolgreiche Eigeninitiative.

Rahmenbedingungen verbessern

Weg von staatlichen Finanzspritzen, hin zu operativen Erleichterungen, und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen und neue Geschäftsideen – das fordert auch Friederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM), in einem Hintergrundpapier, das sie gemeinsam mit den IfM-Ökonomen Hans-Jürgen Wolter und Michael Holz veröffentlicht hat. Die Maßnahmen in den vergangenen Pandemiemonaten zielten darauf ab, die akute Betroffenheit von Unternehmen abzumildern und das Ausmaß der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden zu begrenzen. Der Ansatz war richtig, doch nun sei es höchste Zeit für den Blick nach vorn, so die IfM-Präsidentin. „Prinzipiell sollte sich die Mittelstandspolitik künftig auf den ordnungspolitischen Ansatz konzentrieren und förderliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand schaffen.“ Als Beispiel nennt Welter etwa die Entlastung von bürokratischen Pflichten, damit Unternehmen ihre Ressourcen für die strategische Neuorientierung nutzen können. Weitere Instrumente könnten darauf zielen, angesichts des drohenden oder schon bestehenden Fachkräftemangels bei der Aus- und Weiterbildung der Belegschaft zu unterstützen.

Zerreißprobe für Mitarbeiter

Denn tatsächlich ist die Pandemie seit Monaten für Angestellte eine schwere Prüfung. Egal ob sie in Kurzarbeit sind, zwischen Job und Kinderbetreuung im Homeoffice oder unter Dauerstress in der Medizin und der Pflege. Für viele ist die Belastung ein Anlass, ihre berufliche Situation infrage zu stellen. Laut einer aktuellen Studie der Online-Stellenbörse Stepstone trägt sich jeder vierte Beschäftigte vor dem Hintergrund der Krise mit dem Gedanken, bald den Job zu wechseln. Sei es, weil sie vom Krisenmanagement ihres Arbeitgebers enttäuscht sind, ihr aktueller Job ihrem Sicherheitsbedürfnis nicht gerecht wird oder weil Corona den Arbeitsalltag so stark verändert hat, dass sie andere Aufgaben übernehmen müssen.

Letzteres – allerdings im positiven Sinn – hat Patrick Hausen im vergangenen Jahr erlebt (siehe Interview). Er leitet Marketing und Kommunikation von Euresa, einem auf Kreuzfahrten spezialisierten Reisebüro. Mit seinem Kerngeschäft hätte das Unternehmen seit März 2020 kaum Umsatz gemacht. Also suchte Euresa erfolgreich neue Einnahmequellen und Beschäftigungsfelder für seine Mitarbeiter – nicht mehr als Online-Reisevermittler, sondern als Digitalagentur für B2B-Kunden. Gleichwohl hofft Hausen mit zunehmenden Lockerungen, dass das Reisegeschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder Fahrt aufnimmt.

„In der Reisebranche und in der Gastronomie gehe ich bereits im Sommer von einer schnellen Erholung aus“, sagt Christin Malsch. Als Anwältin für Insolvenzrecht und Insolvenzberaterin beobachtet sie die Situation besonders genau. Zumal seit Anfang Mai wieder uneingeschränkt gilt, dass Unternehmen, die überschuldet oder zahlungsunfähig sind, dies beim Insolvenzgericht auch anzeigen müssen. „Andere Bereiche, zum Beispiel die Kultur- und Veranstaltungsbranche, werden noch länger Einbußen hinnehmen müssen, weil sich staatliche Einschränkungen und die noch zu überwindende Angst vor Ansteckungen auf ihre Umsätze auswirken“, sagt die Juristin. Auch werde der stationäre Einzelhandel weiterhin unter dem stark gewachsenen Druck des Onlinehandels leiden. Die ganz große Welle an Insolvenzen erwartet sie kurzfristig nicht, wohl aber einen signifikanten Anstieg zum Jahresende. Die dann auslaufenden Kurzarbeitergeld-Regelungen und weiteren Hilfen (KfW-Schnellkredite) würden den Marktbereinigungsprozess befördern. Malsch ist sich sicher: „Bessere Chancen wird haben, wer jetzt schon begonnen hat, sein Geschäftsmodell zukunftsfähig aufzustellen und an die Digitalisierung anzupassen.“  

Quelle: Creditreform.de


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