Agentur für Arbeit: Unternehmen sollten Ansprüche an Bewerber senken

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Nicht jeder der sucht, findet auch: Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit müssen neue Strategien her. (© granata68 - Fotolia.com)

Der Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahren flexibler und dynamischer geworden: Etwa die Hälfte der Langzeitarbeitslosen hat einen Job gefunden - die andere Hälfte ist aber kaum vermittelbar. Betriebe sollten deshalb nicht auf den „perfekten“ Bewerber warten.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in den vergangen fünf Jahren halbiert - das schreibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) in einer kürzlich veröffentlichten Broschüre (siehe externe Links). Gleichzeitig beeinflusst die demografische Entwicklung das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Obwohl die Lage auf dem Arbeitsmarkt von der Behörde insgesamt als „gut“ eingeschätzt wird, gibt es noch viele sehr individuelle Fälle, bei denen Integration außergewöhnlich schwierig ist.

Dieser Problembereich umfasst nach wie vor zum großen Teil Langzeitarbeitslose. Wer bislang nicht vermittelt werden konnte und dem Arbeitsmarkt schon sehr lange fern ist, der ist für Personaler kaum noch interessant. Mit der beschleunigten Integration arbeitsmarktnaher Arbeitsloser ist so ein System entstanden, in dem Arbeitsmarktferne langsam aber stetig immer weiter abdriften.

„Harter Kern“ nur schwer vermittelbar

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen um gut ein Drittel auf unter drei Millionen gesunken. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich im gleichen Zeitraum dagegen halbiert - von 1,7 Millionen auf 886.000 im Juni 2011. Die BA wertet dies als Indikator für eine „verfestigte Arbeitslosigkeit“. Meist handelt es sich dabei um Härtefälle, die mit standardisierten Methoden kaum in Arbeit vermittelbar sind.

„Auch wenn der Sockel bröckelt, kommen wir jetzt natürlich an den harten Kern. Es bleiben diejenigen zurück, bei denen sich durch verschiedenste Problemlagen eine erfolgreiche Integration in naher vielleicht auch in weiter Zukunft nicht abzeichnet. Ab jetzt wird jeder Schritt schwerer und die Herausforderung immer größer“, sagt Heinrich Alt, Abteilungs-Vorstand der BA.

In den vergangenen Jahren ist die Dynamik am Arbeitsmarkt immer weiter angestiegen. Der Wechsel zwischen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit hat bei vielen Menschen stark zugenommen - auch bei Langzeitarbeitslosen. „Sicherlich wird viel diskutiert über Zeitarbeit, befristete Beschäftigungen oder den Niedriglohnsektor - aber bei allem für und wider: Langzeitarbeitslose, Ältere oder Geringqualifizierte konnten von der höheren Flexibilisierung des Arbeitsmarktes profitieren.“

Betriebe: Nicht auf Idealbesetzung warten

Trotz der verbesserten Integrationschancen etwa von Hartz IV-Empfängern sieht Arbeitsmarktexperte Alt noch viele ungenutzte Potenziale. „Es gibt Arbeit, das zeigen eine Million offene Stellen in Deutschland. Betriebe können nicht mehr auf den Idealtypus eines Arbeitnehmers warten. Es gibt viele Unternehmen, die inzwischen anders denken. Nicht nur aus Gründen der Fairness jedem Menschen gegenüber, sondern mit Blick auf die Volkswirtschaft und den Erhalt des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Und übrigens gibt es in unserer Wirtschaft auch nach wie vor Raum für einfache Arbeit“, sagt Alt. SZ

Externe Links

Zur Broschüre der Bundesanstalt für Arbeit (PDF)




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