Weiterbildung: Firmen vergeuden Geld
Einer aktuellen Studie zufolge schätzen ältere Mitarbeiter den Nutzen einer Fortbildung schlechter ein als jüngere Kollegen. Obwohl Unternehmen für jeden Teilnehmer etwa das gleiche investieren, gehen sie zu wenig auf die spezifischen Bedürfnisse der Älteren ein.
Weiterbildungen zahlen sich für Unternehmen nicht so sehr aus, wie sie könnten. Während ältere Beschäftigte in Firmen aufgrund des demografischen Wandels an Bedeutung gewinnen, können sie von Fortbildungen nur mäßig profitieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.
Im Rahmen der ZEW-Studie wurden mehr als 6.000 Weiterbildungsteilnehmer aus rund 150 Unternehmen in ganz Deutschland befragt. Untersucht wurde dabei die Effizienz landesweiter Fortbildungsmaßnahmen. Neben Art und Inhalt der Maßnahmen spielten bei der Erhebung auch Alter, Betriebszugehörigkeitsdauer, Gesundheit, Qualifikation, Geschlecht und die Bindung der Beschäftigten an den Arbeitsmarkt eine Rolle.
Ältere Mitarbeiter gewinnen an Bedeutung
Landesweit haben Unternehmer erkannt, dass ältere Angestellte (älter als 55 Jahre) auch wegen des Fachkräftemangels zunehmend von Bedeutung sind. Daher wächst die Bereitschaft, für deren Weiterbildung mehr Geld zu investieren. Diese Teilnehmer beurteilten den Ertrag der Maßnahmen, an denen sie teilnahmen, in der Studie jedoch vergleichsweise schlecht: Nur jeder fünfte Betrieb bezieht die besonderen Bedürfnisse und Interessen der Älteren mit ein.
"Die Betriebe sollten berücksichtigen, dass ältere Mitarbeiter auf ihre praktische Arbeitsumgebung zugeschnittene Weiterbildungsformen bevorzugen, über die sich neues Wissen schnell in die Praxis umsetzen lässt. Formelle und eher abstrakte Formen der Weiterbildung betrachten ältere Mitarbeiter dagegen mit Skepsis, da die Umsetzung von auf diesem Weg vermittelten Inhalten zumeist längere Zeit braucht und eher indirekten Nutzen bringt," erläutert Prof. Dr. Thomas Zwick, Forschungsprofessor am ZEW und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Ältere wollen praxisorientiert lernen
Training-on-the-Job, also Methoden, die direkt am Arbeitsplatz stattfinden, und selbst organisiertes Lernen seien daher für ältere Beschäftigte deutlich geeigneter. Die Präferenz für eine starke Praxisorientierung der Lernformen resultiere bei Älteren daraus, dass ihnen nicht mehr so viel Zeit im Betrieb verbleibt und sie auch weniger Aufstiegsmöglichkeiten hätten. Für sie zahlten sich langfristige Maßnahmen nicht mehr voll aus und seien daher weniger interessant.
Zwicks Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass ältere Beschäftigte Weiterbildungsinhalte bevorzugen, bei denen sie mit ihrer Erfahrung punkten und die Qualität ihrer Arbeitsumgebung möglichst rasch verbessern können (z.B. Management- und Kommunikationstrainings).
Bei völlig neuartigen und abstrakten Inhalten geraten ältere Mitarbeiter gegenüber jüngeren Weiterbildungsteilnehmern schnell ins Hintertreffen. Darunter leidet auch die Motivation für derartige Fortbildungen. SZ
Externe Links:
Zur vollständigen Studie (Englisch)


