Chefs müssen nicht nett sein

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So lange das Ergebnis stimmt, haben Chefs meist freie Hand. (© mh - Fotolia.com)

Ob Führungskräfte symphatisch und beliebt sind, ist der Geschäftsleitung meist nicht besonders wichtig. So lange die Zahlen und das Ergebnis stimmen, können Vorgesetzte vielerorts schalten und walten wie sie wollen.

Ein im sozialen Sinne „schlechtes“ Führungsverhalten der oberen Führungskräfte wird wissentlich von der Geschäftsleitung geduldet - solange das operative Ergebnis stimmt. Zu diesem Ergebnis kommen Wirtschafts-Experten der Fachhochschule Osnabrück. Was den Umgang mit Mitarbeitern angeht, haben Abteilungschefs demnach oft freie Hand.

Schlechte Führung trotz Fachkräftemangel

"Mitarbeiter kommen zu Unternehmen und verlassen Vorgesetzte - das ist ein alter Spruch, der leider zutrifft", sagt Carsten Steinert, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der FH Osnabrück. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sei es verwunderlich, dass Vorstände und Geschäftsführer sich überhaupt noch eine schlechte Führung leisten, so der Fachmann.

Die Studie aus Osnabrück zeigt: Über 85 Prozent der befragten Unternehmer werten Führungsverhalten als einen expliziten Bestandteil von Personalpolitik. Gleichzeitig ist die Toleranz gegenüber Schwächen im Führungsverhalten hoch ausgeprägt, sofern das zu verantwortende operative Ergebnis stimmt. Ob Chefs also über diplomatische oder kooperative Talente verfügen, spielt für deren Karriere keine übergeordnete Rolle.

Resultate vor Sozialkompetenz

Dem operativen Ergebnis wird von den Befragten zu 90 Prozent ein "sehr hoher" oder "bedeutender" Stellenwert beigemessen. Führungsverhalten ist nur für 45 Prozent der befragten Unternehmer wichtig. Auf die Frage nach den Hauptgründen für Trennungen von Führungskräften gaben 82 Prozent der befragten Unternehmer an, dass schlechtes Führungsverhalten für sie kein Anlass für eine Entlassung sei. Stattdessen führen "persönliche Gründe" oder ein "schlechtes operatives Ergebnis" die Liste der Trennungsgründe an.

"Im Ergebnis verdeutlicht die Untersuchung zwei Dinge: Schlechtes Führungsverhalten wird in der Regel nicht sanktioniert, sofern und solange das operative Ergebnis stimmt. Gutes Führungsverhalten wird nicht belohnt, was sich daran zeigt, dass das Thema 'Führung' als Komponente von Zielvereinbarungen eine eher untergeordnete Rolle spielt", so Steinert.

Mitarbeiter profitieren von guter Führung

Auch wenn die Geschäftsleitung keinen gesteigerten Wert auf soziale Führungskompetenzen ihrer Abteilungsleiter legt, spielen diese wirtschaftlich durchaus eine Rolle. Einerseits, weil es in Zeiten sinkender Bevölkerungszahlen wichtiger wird, qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Andererseits, weil Bestätigung und seelisches Wohlbefinden die Arbeitsleistung verbessern. pte/SZ





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