Shoppen im Vorbeigehen
Die südkoreanische Supermarkt-Kette Home Plus hat Filialen entwickelt, die man an die Wand hängen kann. Seither können Kunden im Vorbeigehen einkaufen - alles was man braucht ist ein Smartphone.
Mit durchschnittlich 44 Stunden pro Woche wird in Südkorea mehr gearbeitet als in allen anderen OECD-Staaten der Welt. In der Konsequenz haben Arbeitnehmer immer weniger Zeit und Lust zum Einkaufen. Die Supermarkt-Kette Home Plus hat das erkannt und eine Lösung entwickelt: Wenn der Kunde nicht ins Geschäft kommt, muss das Geschäft eben zum Kunden kommen.
Seither zieren virtuelle Einkaufsregale die Wände zahlreicher U-Bahnhöfe in der Hauptstadt Seoul. Dafür hat man schlicht Supermarkt-Regale abfotografiert und als Plakat wieder aufgehängt. Die Produkte sind darauf in Originalgröße zu sehen und jeweils mit einem QR-Code („Quick-Response“ z. Dt. „Schnelle Antwort“) versehen. Ob Saft, Fisch oder Schokolade - ein kurzer Scan mit dem Smartphone genügt und das begehrte Objekt landet im virtuellen Einkaufswagen. Später wird der gesamte Einkauf bequem von einem Lieferdienst vor die Haustür gebracht.
Zahlreiche Vorteile
Die Vorzüge für den Kunden liegen auf der Hand: Die lästigen Wartezeiten an der Kasse entfallen, Produkte sind praktisch niemals vergriffen und der Heimweg ist sprichwörtlich unbeschwert, schließlich übernimmt das Schleppen ein anderer.
Die neue Geschäftsidee kommt im Besonderen auch dem Erfinder Home Plus zu Gute: Die hohen Unterhaltskosten, die reguläre Filialen verursachen, entfallen - die gesamte Verkaufsfläche wird durch Plakate ersetzt, das Personal durch Strichcodes.
Hohe Akzeptanz bei Kunden
Online Einkaufen kann man bei Home Plus zwar schon länger, das virtuelle Erlebnis aber ist neu. Kurze Zeit nach der Einführung vermeldet der Konzern rundum positive Ergebnisse. So sei die Zahl der neuregistrierten Kunden seit der Einführung der U-Bahn-Regale um 76 Prozent gestiegen, der Online-Absatz um 130 Prozent.
Nun ist es auch in Deutschland nichts Neues, Lebensmittel online zu kaufen. Ob Kaisers´s, EDEKA oder einfach auf lebensmittel.de, per Mausklick und Lieferdienst lässt sich bequem alles für den täglichen Bedarf besorgen. Noch fehlt dabei aber das visuelle Erlebnis aus dem echten Supermarkt, das immer wieder dafür sorgt, das letztlich weit mehr im Wagen landet, als auf dem Einkaufszettel stand.
Mit den simulierten Filialen bietet Home Plus seinen Kunden eben diese Erfahrung. Mit Erfolg: Auf dem Online-Markt ist der Konzern jetzt die Nummer Eins im Land. SZ
Externe Links:
Werbevideo von Home Plus (Englisch)


