Zu viel Englisch in Geschäftsberichten ist strafbar

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Besser ist das - sonst bleibt so mancher Geschäftsbericht unverständlich. (Doc RaBe@Fotolia.de)

In den Berichten großer Dax-Unternehmen finden sich pro Seite 14 Anglizismen. Der Hang zu englischen Begriffen ist weit verbreitet, viele Firmen wollen sich so einen internationalen Anstrich geben. Wer aber allzu kryptisch schreibt, kann sich strafbar machen.

Der übermäßige Gebrauch englischer Begriffe in Geschäftsberichten deutscher Dax-Konzerne ist strafbar - zumindest wenn man der Analyse Michael Olbrichs, dem Leiter des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes folgt. Der Experte hat die Berichte von 30 Dax-Schwergewichten ausgewertet und fand dabei pro Seite im Schnitt 14 englische Wörter.

Besser gleich in zwei Sprachen anfertigen

"Dass deutsche Unternehmen zu viele Anglizismen in ihren Geschäftsberichten bemühen, ist einem Herdentrieb geschuldet. Obwohl keine sachliche Begründung dafür vorliegt, glauben sie, sich den internationalen Gepflogenheiten anpassen zu müssen. Dabei wäre die Anfertigung der Geschäftsberichte in deutscher und englischer Sprache die bessere und einfachere Lösung", so Markenexperte Thomas Otte von Dr. Otte Brand Consulting.

Professor Michael Olbrich kritisiert nicht nur das mangelnde Sprachgefühl und den fragwürdigen Stil der mit englischen Begriffen versetzten Texte. Seiner Meinung nach bewegen sich Betriebe mit dieser Taktik auch am Rande der Legalität. Dem Fachmann zufolge machten sich nämlich viele Unternehmen der Missachtung von Paragraf 244 des Handelsgesetzbuches strafbar. Darin heißt es: "Der Jahresabschluss ist in deutscher Sprache und in Euro aufzustellen." Weil die meisten Unternehmen diesen Grundsatz jedoch vernachlässigen, erfüllen sie Olbrich zufolge den Straftatbestand der Verschleierung.

Den Zweck verfehlt

"Der überstrapazierte Gebrauch englischer Ausdrücke wird von vielen Konzernen zwar als Schutz verwendet, um im Schwarm der Dax-Riesen nicht unnötig aufzufallen. Was somit jedoch entsteht, ist das Gegenteil von eigentlich beabsichtigter Kommunikation", erklärt Thomas Otte. Wenn sich Unternehmen nämlich mit englischen Ausdrücken gegenseitig überbieten, entstehen selbstbezogene und nach außen abgeschlossene Systeme, so der Experte.

Diese Einschätzung ist durchaus nachvollziehbar: In den Geschäftsberichten von Deutscher Bank, SAP, Siemens und anderen Konzernen wimmelt es nur so von Anglizismen. Das größte deutsche Kreditinstitut liegt - gemessen am Anteil englischer Wörter im Gesamttext - mit 5,65 Prozent auf Platz Eins. Siemens folgt dahinter mit 5,51 Prozent, hat im Vergleich zum Bericht der Deutschen Bank aber etwa 130 Wörter weniger Text. So bleiben nur marginale Unterschiede.

Den Vorwurf Olbrichs, Englisch nur als Verschleierungstaktik zu gebrauchen, weisen Dax-Konzerne erwartungsgemäß zurück. So beruft sich E.ON beispielsweise auf seine internationalen Tätigkeiten. Als Unternehmen, das in 30 Staaten tätig sei und Mitarbeiter aus 40 Ländern beschäftige, verwende man besonders in der Finanzwelt englischsprachige Begriffe. Wörter wie "Cashflow" seien da Standardvokabular der Anleger. Auch beim Dünger- und Salzspezialisten K+S stößt die Studie eher auf Unverständnis. pte / SZ

Externe Links:

Homepage von Prof. Michael Olbrich

Homepage von Dr. Otte Brand Consulting





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