Familienmonitor 2010: Trend zu weniger Arbeit und mehr Familienzeit

Mütter und Väter wünschen sich flexiblere Teilzeitmodelle

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Vätern wie Müttern ist es wichtig, neben dem Beruf viel Zeit für die Familie zu haben. Von ihren Arbeitgebern wünschen sie sich entsprechende Unterstützung. (Foto: Udo Kroener©Fotolia.de)

Arbeitnehmer in Deutschland wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie. Dies geht aus dem „Monitor Familienleben 2010“ des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sieht Politik und Unternehmen gleichermaßen gefordert, neue, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle einzuführen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehen die Deutschen als wichtigste Aufgabe der Politik an: 69 Prozent aller Bundesbürger und 78 Prozent der Eltern sagen, hier sollte der Schwerpunkt liegen. Die Verringerung der Staatsverschuldung, Steuersenkungen und der Klimaschutz werden als weniger wichtig erachtet. „Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können. Zeit ist die Leitwährung einer modernen Gesellschaftspolitik“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bei der Präsentation des Familienmonitors 2010 in Berlin.

Ihr Ziel sei es deshalb, bessere Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Konkret gehe es darum den Menschen die gewünschte Zeit für die Kindeserziehung und die häusliche Pflege von Angehörigen zu verschaffen: "Dafür brauchen wir flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur, die nach der Qualität geleisteter Arbeit und nicht nach der Präsenz der Mitarbeiter fragt."

Nur etwas weniger Arbeit

Um Müttern und Vätern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, startet das Bundesfamilienministerium im Herbst 2010 gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Initiative „Flexible Arbeitszeiten“. Das Ziel sind mehr vollzeitnahe Teilzeitstellen (30 bis 35 Wochenstunden) für Mütter und Väter. Denn vor allem Väter würden laut Umfrage gerne mehr für ihre Kinder da sein: 60 Prozent der Väter äußern den Wunsch, dafür ihre Arbeitszeit reduzieren und auf Gehalt verzichten zu wollen.

Allerdings funktioniert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert für Mütter hingegen wegen zu großer finanzieller Einbußen offenbar schlecht: Drei Viertel der befragten Frauen mit Kindern unter 18 Jahren würden deshalb gerne mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, davon 23 Prozent 30 bis 35 Stunden.

Für lediglich 39 Prozent der berufstätigen Mütter und 35 Prozent der berufstätigen Väter sind ihre realen Arbeitsstunden auch ihre Wunsch-Arbeitsstunden. 41 Prozent dieser Mütter und 60 Prozent dieser Frauen würden etwas weniger Wochenstunden arbeiten, wenn sie es sich aussuchen könnten. Davon würde etwa die Hälfte der Väter gerne 36 bis 40 Wochenstunden arbeiten. Weitere 19 Prozent wären an einer vollzeitnahen Teil-Arbeitszeit von 30 bis 35 Stunden interessiert, neun Prozent an einer Arbeit mit weniger als 30 Wochenstunden. Nur fünf Prozent der Väter und immerhin 20 Prozent der Mütter würden ihre Wochenstundenzahl am liebsten erhöhen.

Väter mit Teilzeitwunsch sind (noch) Exoten

Laut Bundesfamilienministerium ist aus anderen Umfragen bekannt, dass Mütter, die Teilzeitwünsche anmelden, in Unternehmen generell mit mehr Entgegenkommen rechnen können als Väter. Selbst bei Frauen in leitenden Funktionen wird der Wunsch nach weniger Arbeits- und mehr Familienzeit von Unternehmen eher akzeptiert als bei Männern. Aus Angst vor dem Karriereknick könnten Männer es bisher allerdings auch einfach nicht gewagt haben, den Wunsch nach Teilzeit zu äußern. Nach Ansicht von Kristina Schröder sind Politik und Unternehmen nun gleichermaßen gefordert, flexiblere Arbeitszeitmodelle zu entwickeln und sie Männern wie Frauen anzubieten.

Zeit für Pflege

Um Arbeitnehmern die Pflege von Angehörigen zu ermöglichen, plant das Bundesfamilienministerium die Einführung einer Familienpflegezeit. Das Modell sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 50 Prozent reduzieren können, dabei aber 75 Prozent ihres Gehalts beziehen. Zum Ausgleich müssten sie später wieder voll arbeiten, bekämen aber in diesem Fall weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts - so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Arbeitnehmer könnten bereits im Vorfeld einer möglichen Pflegebedürftigkeit in der Familie Zeit für die Pflegephase auf einem Wertkonto ansparen. MB

Externe Links:

Studie „Monitor Familienleben 2010“ des Instituts für Demoskopie Allensbach (PDF)

Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ des BMFSFJ, des DGB und Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft




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