Altersarmut: Junge Menschen rechnen mit Arbeit statt Rente

Gesetzliche Rente allein könne Lebensstandard nicht sichern

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Für Unternehmen werden ältere Arbeitnehmer bald eine Selbstverständlichkeit sein. Jeder dritte Deutsche glaubt, dass er im Rentenalter noch arbeiten will oder muss. (Foto: Irina Fischer©Fotolia.de)

Eine Studie zeigt, wie die Deutschen ihre Zukunft sehen. Demnach sind neun von zehn Bundesbürgern überzeugt, im Alter auf Dinge verzichten zu müssen, die für sie heute selbstverständlich sind. Jeder Dritte fürchtet sich vor Altersarmut und gibt an, im Rentenalter weiter arbeiten zu wollen oder zu müssen. Aktuelle Entwicklungen bestätigen diese Aussagen: Unternehmen beschäftigen mehr ältere Arbeitnehmer als früher.

Die SPD streitet aktuell wieder über die Rente mit 67. Die Befürworter argumentieren: Die Menschen werden immer älter und bleiben dabei gesünder, deshalb müssen sie auch länger arbeiten. Die Kritiker sagen: Die meisten Arbeitnehmer gehen faktisch mit weniger als 65 Jahren in Rente - das Rentenalter auf 67 heraufzusetzen, bedeutet daher nichts anderes als eine Rentenkürzung.

Doch wie sehen die Arbeitnehmer ihre Zukunft? Jeder dritte Deutsche will im Rentenalter weiter berufstätig sein. Die Gründe liegen in den sinkenden Leistungen der Renten- und Krankenversicherung bei gleichzeitig steigenden Abgaben. Vielen ist mittlerweile bewusst, dass sie im Alter deutlich mehr Abstriche beim Lebensstandard machen müssen als die heutigen Rentner. Dies ergab die Studie "Kundenkompass Selbstbestimmung im Alter" der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) und dem F.A.Z.-Institut.

Junge Menschen rechnen mit geringer Rente

„Länger dem Beruf nachzugehen, entspricht dem Wunsch nach Selbstbestimmung im Alter und ist für viele natürlich auch eine Frage des Geldes“, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Neun von zehn Bundesbürgern sind überzeugt, im Alter auf Dinge verzichten zu müssen, die heute selbstverständlich sind. Jeder Dritte fürchtet sich vor Altersarmut.

Vor allem die Generation der unter 30-Jährigen rechnet mit einer deutlich geringeren Rente, als das heute der Fall ist. Insgesamt gehen rund drei Viertel der Befragten nicht mehr davon aus, dass ihnen die gesetzliche Rente im Alter einen angemessenen Lebensstandard sichert. Rund 37 Prozent der Bundesbürger erwarten daher, dass sie im Alter auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sein werden. Eine längere Lebensarbeitszeit ist für viele deshalb eine Alternative.

„Ältere Menschen sind leistungsfähiger als früher“

„Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und wird dies auch weiterhin tun. Körperliche Belastungen gehen zurück, die Menschen sind im höheren Alter gesünder und leistungsfähiger als noch vor zehn oder 20 Jahren“, sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

„Aufgrund des demografischen Wandels sind die Unternehmen in Zukunft noch mehr auf die Mitarbeit, Erfahrung und Qualifikation Älterer angewiesen“, so der BDA-Sprecher, „die Betriebe haben die Notwendigkeiten längst erkannt und personalpolitisch reagiert. Seit Jahren nimmt die Beschäftigung Älterer deutlich zu. Im Jahr 2000 waren 37 Prozent der 55- bis 64-Jährigen beschäftigt, heute sind es 57 Prozent." (Siehe auch: „Ältere Arbeitnehmer: Vorurteile bremsen Motivation“)

Auch die Tarifvertragsparteien hätten laut BDA branchenspezifische Lösungen für den Umgang mit dem demografischen Wandel entwickelt. So bestehen in der chemischen Industrie, der Stahlindustrie, im Baugewerbe sowie in der Metall- und Elektroindustrie zahlreiche Rahmenregelungen, beispielsweise zur Gestaltung alters- und leistungsgerechter Arbeitsbedingungen oder auch zur individuellen betrieblichen Altersvorsorge. Die Wirtschaft scheint sich langsam darauf einzustellen, dass sie auf ältere Arbeitnehmer immer weniger verzichten kann.ZU

Externe Links:

Website: www.berufszentrum.de: „Bewerbungsstrategien für ältere Arbeitnehmer“

Initiative der Bundesregierung "Erfahrung ist Zukunft - Initiative zum demografischen Wandel"




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