Dem Internet gehen die Adressen aus

Freie IP-Adressen werden noch etwa ein Jahr lang reichen - Unternehmen müssen sich auf den neuen technischen Standard einstellen

ip-adressen
Eine IP-Adresse für jeden RFID-Chip. Deren massiver Einsatz in Produktion und Logistik hat mit dazu beigetragen, dass die IP-Adressen nun knapp werden. (Foto: Lara Nachtigall©Fotolia.de)

Die Website www.firmenwissen.de verfügt über eine eindeutige IP-Adresse: 194.55.198.10. Genauso wie die Milliarden anderen Websites und Internetanschlüsse weltweit. Aber nicht nur die, auch RFID-Chips und Smartphones benötigen IP-Adressen. Doch die werden knapp. Der Vorrat an freien Adressen reicht noch ein Jahr lang, schätzen Experten. Wenn bis dahin nicht auf den neuen technischen Standard umgestellt wird, droht dem Internet ein Wachstumsstillstand.

Innerhalb der kommenden zwölf Monate wird der Vorrat an IP-Adressen endgültig aufgebraucht sein. Der aktuelle technische Standard IPv4 stellt rund 4,3 Milliarden Adressen bereit - und vier Milliarden sind schon vergeben.

Die Mehrzahl der IP-Adressen sind für herkömmliche Websites reserviert. Hunderte Millionen von Adressen werden jedoch gar nicht benutzt. Denn als die Adressen erstmals verteilt wurden, haben viele Unternehmen Millionen IP-Nummern auf einen Schlag bekommen. Die meisten davon werden nicht gebraucht, herausgeben wollen die Unternehmen sie aber auch nicht mehr. Zur Adressknappheit trägt noch ein weiter Grund bei: Seitdem Sensoren und RFID-Chips in automatisierten Prozessen, etwa in der Fertigung oder in der Logistik, genutzt werden, sind auch immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden - man spricht vom "Internet der Dinge". Hinzu kommt die vermehrte Nutzung von internetfähigen Smartphones, die ebenfalls über eine IP-Adresse verfügen. 300 Millionen IP-Adressen werden also nicht mehr lange reichen.

„Experten mahnen seit Jahren“

Der aktuelle technische Standard IPv4 basiert auf 32 Bit - daher die verfügbare Anzahl von 4,3 Milliarden. Das neue Protokoll IPv6 ist 128-Bit-basiert, somit wären 340 Sextillionen Adressen verfügbar, eine Zahl mit 37 Nullen.

"Seit Jahren mahnen Experten zum Umstieg auf das neue IPv6-Protokoll. In der Realität geht der Traffic diesbezüglich aber immer noch gegen null", analysiert Richard Wein, Geschäftsführer von nic.at, der zentralen Registrierungsstelle für .at-Domains. Den verschleppten Umstieg erklärt sich Wein mit dem fehlenden wirtschaftlichen Druck: "Da derzeit noch IP-Adressen zur Verfügung stehen und alles wie gehabt funktioniert, sehen alle Beteiligten keinen Grund, in die neue Technologie zu investieren."

Aktionsplan soll Umstellung beschleunigen

In besonderer Verantwortung sieht der Deutsche IPv6-Rat die Netzbetreiber, die Anbieter von Inhalten und Diensten, Anbieter von Hardware und Betriebssystemen und Anwendungssoftware. Der Rat hat im Jahr 2009 einen Aktionsplan veröffentlicht, der helfen soll, die Umstellung der IP-Adressen in Deutschland voranzutreiben und Unternehmen Handlungsvorschläge macht (siehe externer Link).

Wein und anderen Experten zufolge ist die derzeitige Ruhe aber trügerisch. Denn werden die IP-Adressen in den kommenden ein bis zwei Jahren tatsächlich knapp, droht ein teurer Handel um die verbleibenden Ressourcen. Wer dann etwa schnell einen neuen DSL-Anschluss anmelden und nutzen will, wird viel Geld bezahlen oder auf frei werdende Adressen warten müssen, so das Worst-Case-Szenario.

Unternehmen sollten vorbereitet sein

Neben den Access- und Content-Providern sowie den Geräteherstellern sollten auch Unternehmen das Thema IPv6 nicht mehr länger von sich wegschieben. "Was den Umstieg betrifft, ist es ohnehin bereits fünf nach zwölf. Wer jetzt Hardware-Strukturen und interne Prozesse adaptiert, muss definitiv auf IPv6-Kompatibilität achten", sagt Wein.

Wenn der Umstieg auf IPv6 erfolgt ist, werden in den kommenden Jahren beide Protokolle parallel existieren. Geschicktes Ressourcen-Management könnte den Engpass noch um einige Monate nach hinten verschieben. pte/ZU

Externe Links:

Deutscher Ipv6-Rat

Aktionsplan des Deutschen Ipv6-Rates (PDF)

Infos zu IPv6 auf wikipedia.de




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