Web 2.0 - Eine Chance für den Mittelstand

Viele Mittelständler haben Angst vor dem scheinbar unkontrollierbaren neuen Internet. Doch gerade Web 2.0-Instrumente bieten Unternehmern eine Chance, ihre Produktivität, Effizienz und Nähe zum Markt kostengünstig zu erhöhen.

MittelstandDirekt sprach mit dem Unternehmensberater Matthias Schwenk. Auf seinem Blog bwlzweinull.de setzt er sich mit dem Thema Web 2.0 im Mittelstand auseinander. Mit uns sprach er über die Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Web 2.0: Geisteszustand oder "Mitmachweb"

Was ist Web 2.0?

Der Begriff wurde 2004 vom O'Reilly Verlag ins Leben gerufen, als dieser eine gleichnamige Konferenz plante. Für die einen bezeichnet der Begriff Web 2.0 heute einen Geisteszustand, für die anderen das Mitmachweb. Matthias Schwenk nennt es die zweite Entwicklungsstufe des Internets. In der ersten Phase des Internets habe die Kommunikation vom Sender zum Empfänger noch im Mittelpunkt gestanden. "Doch mehr und mehr wird auch im Internet der Übergang vom Monolog zum Dialog verlangt" sagt Schwenk. Diese nicht mehr nur einseitige Form der Interaktion hat sich nach Schwenk mittlerweile durchgesetzt und ist der zentrale Aspekt des Web 2.0: "Die Herausforderung für Unternehmer liegt nun darin, das aufzugreifen und umzusetzen." Unternehmen können vom Web 2.0 nur profitieren Die wichtigsten und für Mittelständler interessantesten Anwendungsformen des Web 2.0, Wikis, Blogs und RSS, werden im Folgenden näher erläutert.

Was sind Wikis und wie kann ich sie nutzen?

Ein Wiki ist eine im Internet verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden kann. Das bekannteste Wiki ist die Plattform Wikipedia, ein Lexikon, an dem jeder mitschreiben kann. Aber auch innerhalb des Unternehmens bietet sich die Nutzung von Wikis an. Gerade im Wissensmanagement zeigt sich oft das Problem, dass durch Fluktuation Wissen verloren geht. Zwar werden Dokumente immer häufiger auf einen Unternehmens-internen Server gespeichert, der für alle zugänglich ist, doch auch hier können sich Probleme ergeben. Sei es, dass man die Ordnerstruktur des Mitarbeiters nicht versteht, oder verschiedene Versionen eines Dokuments an verschiedenen Stellen gespeichert werden. "Wenn Sie aber das interne Wissensmanagement auf Wikis umstellen und wichtige Dinge darin zusammenfassen, können Sie die Transparenz des vorhandenen Wissens wesentlich erhöhen", erklärt Schwenk. Wikis lassen sich linzenzfrei einrichten und sind somit eine kostengünstige Methode mit Hilfe des zentral gespeicherten und personenunabhängigen Wissens, Prozesse zu optimieren und Fehler zu vermeiden. In manchen Fällen bietet es sich auch an, Wikis für weitere Nutzergruppen zu öffnen, zum Beispiel für Kunden oder Lieferanten. Unternehmer erlangen somit mehr Input und eine Erhöhung des intelligenten Kapitals eines Unternehmens.

Was sind Blogs und wie kann ich sie nutzen?

Bei einem Blog (Weblog) handelt es sich um eine Website, die periodisch neue Einträge erhält. Die Einträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt: Der aktuellste Eintrag steht an oberster Stelle. Die Inhalte eines Blogs zeichnen sich durch die Verbindung von Informationen und persönlicher Meinung dazu aus. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Kommentarfunktion. Die Leser eines Blogs können auf Einträge mit Kritik, Anregungen oder Fragen reagieren. "Kleineren Unternehmen mit mehrstufigen Vertriebswegen fehlt häufig das Feedback vom Endkunden. Zwischen der Herstellung des Produkts und der Nutzung vom Endkunden liegen zu viele Schritte, so dass kein direkter Kundenkontakt entsteht", erklärt Schwenk. "In solchen Fällen sind Blogs eine günstige Möglichkeit, dennoch unmittelbares Feedback vom Endkunden zu erhalten." Oft schaffe gerade das normale Gespräch über alltägliche Sachen Sympathie und Kundenbindung. Ein gutes Beispiel hierfür ist das bekannte Firmenblog "Saftblog.de". Blog-Systeme können Unternehmer problemlos und kostenlos bei verschiedenen Anbietern herunterladen und einrichten.

Was ist RSS und wie kann ich es nutzen?

RSS (Really Simple Syndication) ist ein elektronisches Nachrichtenformat und hat sich mittlerweile zu einem Standard für den automatisierten Austausch von Informationen entwickelt. Unternehmen mit einem Internetauftritt können so interessierte Kunden schnell und einfach auf neue Inhalte ihrer Website hinweisen. Jede Veränderung oder Aktualisierung auf der Website wird dem Kunden automatisch signalisiert. Dazu muss der Kunde nur die angebotenen RSS-Feeds der Site abonnieren. In einem kostenlosen Feedreader, einem Programm zum Lesen des RSS-Formates, werden die Nachrichten automatisch heruntergeladen und geordnet angezeigt. Für den Unternehmer, der sich selbst für Nachrichten zu einem bestimmten Bereich interessiert, besteht hier vor allem der Vorteil in der schnellen Übermittlung für ihn wichtiger Informationen. Es ergibt sich eine große Zeitersparnis, da nicht mehr jede Website persönlich besucht werden muss und die heruntergeladenen Nachrichten nach den jeweiligen Interessensschwerpunkten bequem gefiltert werden können. Vor allem können Leser von RSS-Feeds von der erhöhten Aktualität im Gegensatz zum gewohnten Newsletter profitieren.

Unternehmen müssen sich gewaltig umstellen

Der eher schleppende Einzug des Web 2.0 in den Mittelstand ist unter anderem auch eine Frage der Generation. Gerade ältere Unternehmer tun sich mit dem Internet sehr schwer. "Die Unternehmer arbeiten speziell im Mittelstand in ihren bewährten alten Strukturen: Sie lesen ihre Zeitung, die Fachzeitschrift, schließen neue Kontakte auf Messen und haben ihre Gespräche mit dem Banker", sagt Schwenk. "Die Jüngeren verfügen über ein Vielfaches mehr an Medienkompetenz. Für sie ist das Web 2.0 etwas ganz Natürliches", so Schwenk. "Für die ältere Generation, die über Jahre hinweg die altbewährte Form der Kommunikation nutzte, ist das Web 2.0 fremd und ungewohnt." Doch die rasante Entwicklung des Internets bedeutet für die Zukunft der KMU, dass sie lernen müssen, mit den neuen Formen des Internets umzugehen. "Die Kunden werden es irgendwann fordern. Um diese nicht zu verlieren, müssen sich Unternehmen gewaltig umstellen." Der Dialog mit den Kunden im Internet beinhaltet auch, sich öffentlich der Kritik zu stellen: "Für viele Unternehmer ist das eine ungewohnte Situation. Transparenz, Authentizität, Ehrlichkeit und Offenheit nehmen nach und nach eine zentrale Position in der Kommunikation mit den Kunden ein. Wer sich danach auch in zehn Jahren noch nicht richtet, ist nicht mehr am Markt", so Schwenk.

Dieser Beitrag wurde bereitgestellt von Mittelstand-Direkt

Das Nachrichten-Portal "MittelstandDirekt - Wissen für den Unternehmer" ist der Internetauftritt der Volks- und Raiffeisenbanken für den Mittelstand. Hier finden vor allem kleine und mittlere Unternehmen nützliche Informationen, Checklisten und Tipps zur Finanzierung, Gründung oder Unternehmensführung.

www.mittelstanddirekt.de

Autorin: Susann Albrecht

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